Andre Sarrasani erzählt von seinem Fuckup. Dem Scheitern, wieder aufstehen, aus Fehlern lernen und weiter machen.

09.10.2017 Flip The Flop Night Dresden – Rückblick

Fuckup in der St. Pauli Ruine Dresden

Wenn Facebook den Begriff “Fuckup” nicht mag, wird nicht gescheitert, sondern unter anderem Namen weiter über das Scheitern von Unternehmern geredet.

Sarrasani: Im Licht der Öffentlichkeit scheitern

Andre Sarrasani erzählt auf der Flip-the-flop Night vom unternehmerischen Fuckup. Scheitern, aus Fehlern lernen und weiter machen, denn The Show must go on

Über Andre Sarrasani war in der letzten Zeit viel in der regionalen Presse zu lesen. Wie es dazu kam wurde jedoch oft verzerrt dargestellt. Als Zirkus-Kind wuchs er in der Familie des Show-Business auf in einer Welt, die bereits seit Jahrhunderten die Werte der EU  lebt. Es zählt nicht, woher man kommt oder wie man aussieht, sondern was für ein Mensch man ist und dass man respektvoll miteinander zusammen steht. Um sich den hohen Erwartungen zu entziehen begann Andre Sarrasani zuerst eine Lehre als Schlosser. Doch es zog ihn wieder zum Zirkus. Er begann wieder von ganz unten, ungeachtet seiner familiären Abstammung als Sohn des Zirkus-Unternehmers. Popcorn verkaufen, die Technik machen -er arbeitete  sich hoch. Erst zum Technischen Leiter, dann zum Marketing Manager um schliesslich das Unternehmen selbst zu führen.

 

“Man kann nicht alles selber machen”

Die Eventgastronomie boomt, während der Zirkus rote Zahlen schreibt. Die Tradition ist wichtig, doch wenn die Zahlen nicht stimmen, muss man sich davon verabschieden. Auch wenn man versuchen sollte, einige Dinge zu bewahren. Ein Unternehmen rein aus dem Bauch heraus zu führen und Entscheidungen emotional zu treffen, waren wohl die größten Fehler, die zur Insolvenz von Sarrasani führten, so André Sarrasani heute. Dennoch sollte man die Emotion nicht verlieren,  denn gerade das Show-Business lebedavon. Für rationale Entscheidungen hat Andre Sarrasani inzwischen ein gutes Team aus Beratern und vertrauenswürdigen Mitarbeitern. So konnte die Marken-Tradition erhalten werden.

 

Fehlentscheidungen erkennen, korrigieren, weiter machen

“Keiner will tote Menschen sehen bei Sarrasani”, musste der Unternehmer erkennen, obwohl er sich von dem eigenem Format “Real Bodies” ähnlichen Erfolg versprach wie von der Ausstellung “Körperwelten” von dem Anatom Gunther von Hagens. Zusätzlich zu Fehlentscheidung bezüglich der Ausrichtung und Durchführung von Veranstaltungen machte das Finanzamt erhebliche Nachforderungen geltend bezüglich Besonderheiten bei der umsatzsteuerlichen Behandlung von Unterhaltungsdienstleistungen und Bewirtungsleistungen.

 

“Wolltest du aufgeben?” – “Ja.”

Nur durch einen zuversichtlichen Insolvenzverwalter, der dem Unternehmen noch eine Chance gab, dem Zuspruch aus der Familie und auch dem kollegialen Verhalten der Zirkus-Truppe begann Andre Sarrasani einen Neustart und sanierte das Unternehmen. Aber wenn Presse-Kampagnen persönlich würden und medienübergreifend die Journalisten “unter der Gürtellinie” immer weiter bohrten, auch aus bisher scheinbar seriösen Medien, dann, so Sarrasanis Erfahrung, nagt das an der Persönlichkeit. Spätestens wenn die Tochter in der Schule auf die “Pleite” des Vaters angesprochen wird, ist der Spass vorbei.

 

“Was rätst du einem Künstler?”

“Gutes Promo-Material” antwortete Andre Sarrasani direkt auf die Frage von dem Moderator Alexander Nast. Marcel “Frühstückszwerg” Pölzl stellte die Frage, ob sich denn viele Freunde abgewandt hätten und wie man damit umgeht. Stark nach vorne gehen und >>direkt ein paar in die Fresse verlangen<< um “Tratschen-Tanten” den Wind aus den Segeln zu nehmen war die Erkenntnis von Andre Sarrasani. Menschen seien wie Raubtiere, nur Raubtiere ehrlicher. Deshalb sei es wichtig, eine Vertrauensperson zu habent, die  “Achtung”sagt, wenn man zu schludrig im Umgang werde.

 

Support: Karten für die neue Show am 24.11.2017 gibt es auf sarrasani.de

 

Simone Saloßnick: Tankstellen Steh-Auf-Frau

Wie eine Frau zur Tankstelle kam, scheiterte und neu aufstand erzählte Simone Saloßnick. Aus Hoyerswerda kam sie mit einem Schuldenberg nach Dresden und versuchte erneut ihr Glück. Trotz privater und unternehmerischer Schwierigkeiten kämpfte sie sich mit selbst auferlegten Sonderschichten wieder empor. Kraft gab ihr der empathische Zuspruch von eigentlich Unbeteiligten, die einfach eine Umarmung spendeten und sagten “Du bist es Wert”. Der Mut für den Kampf gegen Schulden bei der Bank und gegenüber dem Finanzamt wurde schließlich belohnt. Den Anstoß, etwas von dem Glück an die Gesellschaft zurück zu geben, kam Simone Saloßnick, als Xavier Naidoo an der von ihr übernommenen Dymamo-Fan-Tankstelle an der Dohnaer Straße hielt und mit den Worten: “Mach was draus!” 50 Euro hinlegte. Daraus entstand die Idee eine Hilfsaktion zu gründen und Mut-Perlen zu verkaufen für den Verein Sonnenstrahl, der krebskranke Kinder unterstützt.

 

“Kommunikation ist alles”

Als Tipp gab Simone Salßnick dem gespannt lauschendem Publikum auf den Weg, sich mit den Gläubigern zu verständigen und nach Lösungen zu suchen. Denn: “Nur Reden bringt weiter”. Marcel “Frühstückszwerg” Pölzl bedankte sich mit einer Wortmeldung für den wohl ehrlichsten Vortrag in der Geschichte der gesamten Dresdner Fuckup Night.

 

Meet & Greet

Viele Grüße gehen an die Gründer von Vier Vogel Pils, die ich neu kennenlernen durfte.

Und natürlich an Alexander Nast, der wieder souverän moderiert hat.

Ich bedanke mich auch herzlich bei Sören Frost, der die Veranstaltung möglich macht.

Das nächste Mal hoffentlich etwas weniger frostig in einer besser geheizten Location.

 

Glück auf an den Gründer Sanny Reich, Absolventen der TU Bergakademie Freiberg,

der mit seinem portablen Flipchart durchstarten möchte.

 

 

Weitere Infos zur Flip-The-Flop-Night:

http://www.gruendernest.com/fliptheflopnights-dresden

Rückblick in der Sächsischen Zeitung

https://www.sz-online.de/nachrichten/von-sarrasani-scheitern-lernen-3793009.html

 

P.S.: Manche scheitern schon bei der Parkplatz-Suche. Tipp: mit dem Fahrrad kann man direkt vor der Eingangtür parken. Ohne Kosten und Umweltverschmutzung! 😉