07.06.2017 Fuckup Night Dresden – Rückblick

Mittlerweile nun schon die 6. Fuckup Night in Dresden. Das Parkhotel mit seinem schönen Saal und der Möglichkeit den Außenbereich zu nutzen für die Speisenversorgung vom Grill erweist sich als sehr geeignete Veranstaltungslocation. Vielen Dank an Sören Frost vom Gründernest für die Organisation und an Alexander Nast für die frische Moderation.


Vortrag 1: Jan Wieland – schwäbischer Überflieger

Der erste Vortragende war in den 1990er Jahren extrem erfolgreich mit seinem Fertighausbau-Unternehmen aus Heidenheim im Schwabenland, welches er zur Wendezeit von seinen Eltern übernahm. Er baute das Geschäft auch in den Osten aus, schaffte selten gewordene Arbeitsplätze in der Produktion und führe ein Leben als Überflieger. Er war sich sicher: ihn kann keiner stoppen. Als Familienbetrieb bekam er leicht entsprechende Finanzierung für seine Expansion. Plötzlich kündigte ihm das gesamte mittlere Management und die Vertriebler, die von einem aufstrebenden Konkurrenten abgeworben wurden. Das war besonders Hart, denn üblicherweise sind die Bindung in einem Familienbetrieb etwas enger, nicht nur im ländlichen Raum. Die Mitarbeiter in den Schlüsselpositionen würden sich ersetzen lassen, doch von heute auf morgen sagten die Banken „wir kommen dir ein Stück näher“, was nichts gutes heisst.

Enteignung durch die Banken

Ein Interim-Manager wurde ins Haus gesetzt, der nicht unbedingt am Erfolg des Unternehmens interessiert war. Dennoch konnte der Vertrieb wieder ausgebaut werden und die Firma wieder auf Erfolgskurs gebracht. Bis von den Banken Schecks nicht eingelöst wurden und damit die Firma insolvent gehen würde, wenn Herr Wieland nicht den Betrieb verkaufen würde. Eine Enteignung, die von den Banken quasi erzwungen wurde.

Neuanfang in Sachsen mit Hindernissen

Mit dem Werk in Sachsen konnte Herr Wieland neu anfangen, da es zu einer separaten Firma gehörte. Doch schon bald wehte Gegenwind. Die Steuerfahndung kam mit einem Spezialkommando vorbei, aufgrund einer anonymen Anzeige, die sich als unbegründet herausstellte. Allerdings erwies sich die Vorfinanzierung für einen großen Auftrag als fataler Fehler, denn es handelte sich um Betrüger. Finanzierungen waren nicht mehr möglich, die Insolvenz unvermeidbar. Alles was er aufgebaut hatte, ja auch das was seine Eltern aufgebaut hatten, war verloren.

Am Ende – zu Gott gefunden

Besonders dass seine Eltern damit zum Sozialfall wurden, belastete ihn schwer. Die Ehe ging kaputt und mit Bournout-Erscheinungen war er des Lebens buchstäblich müde. Neue Zuversicht und neue gute Menschen, die ihm Hoffnung gaben, fand er in der Kirche und im Glaube an Gott. Auf weitere Geschichten zur Krisenbewältigung verzichtete er.

Tipp an Gründer

Sein wichtigster Tipp an junge Gründer: immer liquide bleiben


Netzwerken in der Pause

Smalltalk mit bekannten Gesichtern und neue Leute kennen lernen

Studentische Gründerinitiative Gründergarten

Gründergarten


Vortrag 2 – Prof. Dr. Florian Stapper

Erfahrungen vom Insolvenzverwalter

Nach der Pause erzählte der Insolvenzverwalter von den üblichen Kardinalsfehlern von insolventen Unternehmern. Nicht rechnen zu können und sich zu Verzetteln mit Ausritten ab vom Hauptgeschäft wären die wichtigsten Faktoren des Scheiterns. Branchenfremd investieren brächte oft unerwartete Risiken. Reinen Workoholics, die sich keine Zeit für sich und zum Nachdenken nehmen, scheitern auch häufig. Ein Mangel an Eigenkapital und nicht gesicherte Liquidität führt zwangsläufig zur Insolvenz. Falls das dann geschehen sollte, auf keinen Fall aufgeben und mit einem Insolvenzplan neu starten.

Eigene Erfahrungen als Unternehmer gesammelt

Auch Herr Dr. Stapper hat schon eigene Erfahrungen mit dem scheitern als Unternehmer gesammelt. Ein von ihm gegründetes Unternehmen war nicht erfolgreich und musste geschlossen werden. Leider hatte sich der von ihm eingesetzte Geschäftsführer als unfähig herausgestellt. Aber mit dem Schließen von Firmen kennt er sich ja aus.

Empfehlungen

Investoren werden Gründern mächtig feuer machen, gerade Venture Capital Geber. Auf den Interessenunterschied sollte man sich einstellen, wenn man zu solchen Finanzierungsformen greift. Da keine Fragen mehr waren, erzählte er ein witzige Geschichte aus seinem Berufsleben.


Vortrag 3 – András Laube

„Denkt ihr, wir sind völlig vor die Pumpe gerasselt?“

Dieser Satz von András lässt etwas Interpretationsspielraum, aber sagt dennoch eine Menge über ihn und sein Leben aus. Früher war er als Sprayer unterwegs und auch recht „erfolgreich“ damit, bis es zu heiß wurde und Kollegen verhaftet wurden. Etwas orientierungslos fragte er sich, was er gerne machen möchte und kam auf die Idee, ein Klamotten-Label zu gründen. Dafür zog er von Leipzig nach Heidelberg, da er dort Kontakte hatte und ein neues Umfeld suchte. Als Zivildienstverweigerer und aufgrund falscher Anschuldigungen verbrachte er 6 Monate in Untersuchungshaft und hatte genug Zeit für weitere Überlegungen und skizzierte erste Entwürfe. Klein angefangen wurde seine Firma langsam größer, es fehlte jedoch an Finanzierung für mehr Wachstum. Ein Partner wurde gesucht und gefunden, doch das ging nur zwei Jahre gut. Nach Streitigkeiten wurde seine Firma aufgelöst und mit anderem Partner weiter geführt.

Ehe mit Geldgebern

Dann entschied er sich, seine „Cash-Cow“ aus dem Sortiment zu nehmen. Die Marke sollte erwachsener werden, modebewusster. Als neue Geldquelle wurde eine Beteiligungsgesellschaft gewonnen, die für 20% Anteile „eine Ehe“ forderte. Ok, „wie in guten, so in schlechten Zeiten“, dachte sich András. Aber auch die Sparkasse Leipzig sorgte für notwendige Liquidität. Neue Kontakte erwiesen sich als Fehlinvestition, so konnte die neue Kollektion nicht wie geplant vorgestellt werden.

Nochmal komplett umorientieren

Schließlich war die geplante Etablierung als neues, exklusives Modelabel nicht erfolgreich und Andras suchte neue Tätigkeitsbereiche. Beim Design und Fotografieren ist er aber geblieben.

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