10. Affiliate Stammtisch Leipzig – Rückblick der Konferenz

Wie auch letztes Jahr (Rückblick dazu hier) fuhren Sammy und ich wieder zum Affiliate Stammtisch nach Leipzig. Die Konferenz fand inzwischen schon zum 10. Mal statt. Meine Notizen und Learnings der spannenden Vorträge im Folgenden.

Vortrag 1: Ansätze für mehr UX auf deiner Website

User Experience (UX), also Nutzerfreundlichkeit ist wesentlich für den Erfolg. Sowohl für den Qualitätsfaktor bei Google Ads als auch für die Suchmaschinenoptimierung ist die Nutzererfahrung mit der Zielseite ein wichtiger Punkt. Nicht zuletzt entscheidet die Gestaltung der Website und die Nutzerführung über das Verkaufserlebnis und ist damit die wichtigste Schraube zur Erhöhung der Conversionrate und damit dem Umsatz.

Andre Goldmann (gutewebsites.de) unterscheidet UX in 6 Teilbereiche:

  • User Interface (UI) – Design
  • Navigation
  • Informationsarchitektur
  • Interaction-Design (Mensch-Maschine: Benachrichtigung, wenn Nutzer etwas in den Warenkorb gelegt)
  • User Research (Zielgruppe)
  • Content Strategy

User Interface Design

Vertrauen können Gütesiegel aufbauen. Diese sollte auf jeder relevanten Unterseite sichtbar sein, vor allem auf dem Smartphone. Das Vergleichsportal Check24 strotzt vor Gütesiegeln. Der Musikinstrumente-Händler Thomann hat es gut gelöst, wie das Beispiel zeigt.


Die Gestaltung des Shops sollte sich an der Customer Journey orientieren: was wird in Google Suchergebnissen (SERO) angezeigt, wenn man zum Beispiel „fahrrad kaufen“ sucht? Welche Kategorien gibt es? Man hat ein Ziel im Kopf, eine gewisse Vorstellung, auch wenn man diese nicht direkt eingibt.

Man kann den Blick der Besucher auch lenken durch die Blickrichtung der auf der Website abgebildeten Personen. Die zur Auswahl stehenden Paketdienstleister können auch ein Kaufentscheidendes Merkmal sein. Kommt das Produkt bei mir an?

Anstatt eines nervigen Overlays sollte lieber ein integriertes Formular genutzt werden. “Sag mir, wann das Produkt wieder verfügbar ist” bietet dem Kunden auch einen Mehrwert.

Die Preissuchmaschine idealo fragt den Nutzer, wenn er die Seite verlassen möchte: „Preis zu hoch?“ und bietet eine Benachrichtigung an, wenn das Angebot zu dem frei wählbaren Wunschpreis verfügbar ist.

ao.de bietete Tiefstpreisgarantie, um den Wechsel zu einer anderen Preissuchmaschine zu ersparen
Kommunikation zwischen Anbieter und Nutzer kann durch einen Livechat erfolgen.

Sexy Content Design: No Emotions – No Money!

Was erwartet der Kunde an welcher Stelle im Shop? Den Kunden interessiert zum Beispiel, wann das Produkt lieferbar ist oder wie die Energieeffizienzklasse der Waschmaschine ist. Damit der Besucher des Onlineshops die Informationen schnell erfassen kann, lohnt es sich die Abstände der Elemente optimieren für mehr Übersichtlichkeit und “optische Zusammengehörigkeit” zu erzeugen.

Wird die Zielgruppe genügend berücksichtigt? Zwar Wenn die Texte für Frauen zwischen 25- 24 geschrieben wurden, Männer überwiegen als Nutzer gemessen werden, letztenendes die Frauen aber kaufen.

Nerdwallet.com bietet zahlreiche Angebote nach Aufteilung der persönlichen Nutzerbedürfnisse. Bellroy bietet ein umschalten zur Innenansicht der Portemonnaies in der Übersichtsseite an, nike.com punktet mit grossen Fotos der Schuhe.

Teilbare Listen für die Besucher sind ein guter Hebel. Wayfair nennt die Merkliste “meine Projekte“. Es gibt auch shopübergreifende Wishlists, die man einbinden kann. Nutzer wissen unter Umständen mit den Begriffen nichts anzufangen: „Lesezugriff“ kennt der programmierer, aber nicht die Oma. „Wie spricht die Zielgruppe?“ sollte man bei der Benutzerfreundlichkeit berücksichtigen, wenn man den Inhalt optimieren möchte. Die  Wartezeit beim Laden der internen Suchergebnisse kann ein grafisches spanenndes Element verschönern. Das sollte aber nicht übermäßig genutzt werden. “Calculating best price for you” ist eine persönliche Ansprache.

Vortrag 2: Learnings für Affiliates aus 1.000 SEO-Checks

Christian Schmidt von der Agentur Digitaleffects aus Berlin begann mit Klassikern, die man als SEO routinemäßig prüfen sollte:

  • Robots.txt
  • Canonical Tags
  • Pagespeed
  • Bildgröße
  • Browser Caching und Komprimierung
  • Google Search Console und Sitemap
  • Interne Links,
  • Pfadtiefe (nicht mehr als 5 klicks bis zur Produktdetailseite)

Eine Kategorie „Zubehör“ ist meist nicht sinnvoll in einem Onlineshop. Tags in einem Blog bilden eine eigene Unterseite, deshalb sollte über die Vergabestrategie von Tags nachgedacht werden. Menüpunkte sollten so benannt werden, dass man sofort sieht, worum es geht.
Meta Tags pflegen mit Keywords, eigener Website/Markenname muss nicht in jeden Titel, Suchintention der Zielgruppe berücksichtigen. Erweiterte Sitelinks erscheinen, wenn nach dem eigenen Website/Markennamen gesucht wird. Die Sitelinks kann man zwar nicht einstellen, Google orientiert sich an Menüstruktur, deshalb sollten die Menüpunkte sinnvoll benannt sein.

Über die Google Search Console Keywords mit schlechter Klickrate identifizieren, auf Mix zwischen generischen Suchbegriffen und Markennamen achten. Thematisch relevante Wörter (Entitäten) verwenden, Kategorietexte eher auf Kaufberatung zur Unterstützung der Conversio, es muss nicht immer holistischer Content sein. Auch bei einer Last-Minute Reise kann es 2 Wochen dauern, bis sich ein Kunde zur Buchung entschließt. Nutzerfreundlichkeit geht vor Text, die Informationen sollten gut aufbereitet sein.

Das Keyword-Tool von Semrush holft beim finden und gruppieren (clustern) themenrelevanter Begriffe. Beim Thema “Immobilienkredit wären das zum Beispiel

  • Rechner
  • Vergleich
  • Zinsen
  • berechnen
  • wieviel

Glaubwürdigkeit lässt sich erzeugen durch eine Vorstellung des Unternehmens im Menüpunkt “über uns”. Stock-Fotos sollten vermieden werden. Ab und zu sollte sich der SEO auch auf die Suche nach tote Links machen und Link-Struktur der Wettbewerber analysieren. Wenn man beispielsweise sieht, dass alle Konkurrenten bei 100partnerprogramme gelistet sind, aber man selbst nicht, dann wäre das noch ein Angriffspunkt. Negative Backlinks sollte man ebenfalls im Blick haben.

Vortrag 3: Aktuelles Affiliate Recht

Dr. Jonas Kahl von der Leipziger Rechtsanwaltskanzlei Spirit Legal trug in lockerer Form einige Neuigkeiten aus der Rechtsprechung vor:

  • Ein Versicherungsvergleich könnte als Makler angesehen werden, da Kunde das Portal ähnlich wahrnimmt. Das zieht entsprechende Aufklärungspflichten nach sich.
  • Die Listung in einem Preisvergleich ohne Angabe eines Preises ist unzulässig.
  • Partnervermittlung: Werbung mit Superlativen (z.B. „größte“) muss der Behauptende auch beweisen können
  • Schadensersatz wenn über Prominente in falschem Kontext berichtet wird, hier wurde der Name einer Person im Rahmen eine Krebserkrankung erwähnt

  • Inbox Ads im E-Mail Postfach sind Werbebanner, da keine E-Mails und bedürfen keiner Einwilligung, aber müssen deuttlich gekennzeichnet sein
  • DSGVO: was ist abmahnfähig und wer darf abmahnen? Betroffene, Verbände, Wettbewerber? Noch unklar ob die Datenschutzgrundverordnung als eine wettbewerbsrechtliche Verhaltensregel zu werten ist.

  • Influencer: wer das Ziel hat gewerblich , dann auch unbezahlte Posts Werbung, denn alle posts dienen der Steigerung der Reichweite. Internetseiten unterliegen dem fliegender Gerichtsstand, also dort, wo der Nutzer sich befindet. Das heisst, man kann sich nicht auf eine Gerichtsentscheidung einer anderen Stadt berufen. Rechtsunsicherheit bei Influencern, vielleicht kommt ein Gesetz. Man kann sich dann fragen, ob sich die Minister selbst dran halten.

  • Eine Kennzeichnung von Werbung muss deutlich und verständlich sein. Es reicht nicht, nur englisch „Ad“ für Werbung als Hashtag getarnt, „sponsored by“ reicht auch nicht.
  • Zumutbarkeitsprüfung bei Mithaftung von Links: man kann nicht alle Bilder auf einer Nachrichtenseite prüfen

  • Käse muss als Alternative gekennzeichnet sein, damit als Substitut erkennbar ist
  • Lebensmittelrecht: was darf in Eierlikör? Spirituosenverordnung der EU wurde schnell geändert, damit auch Milch und Sahne verwendet werden kann, wie es zahlreiche Hersteller tun und die Konsumenten das verlangen. Wenn es um Alkohol geht, scheint man sich in der EU ausnahmsweise mal schnell einig zu werden.

Vortrag 4: Zukunft von Affiliates ohne Coupons und Retargeting

Pascal Fantou hat seine erste Website 1992 erstellt und ist seit 2006 selbständig. Die Themen, die in der Online Marketing Szene diskutiert werden scheinen noch die Gleichen wie vor 10 Jahren. Gründe für den Erfolg suchen anstatt eine oberflächliche Kopie zu erstellen, ohne die Hintergründe zu verstehen (Cargo-Kult), zB Konferenzräume bunt anmalen und schon hat man den Spirit aus dem Silicon Valley.

Niemand erinnert sich an den Zweiten, der über den Atlantik geflogen ist, man muss sich also einzigartig machen und kein Nachahmer sein. Wenn du erst eine NDA unterschreieben musst, damit dir jemand seine Idee erzählht, dann hat er keine Idee. Gier frisst Hirn – Passives Einkommen der Affiliates gestört durch Privatsphäre Einstellungen im Browser und durch den Gesetzgeber. Zukünftig wird es wichtiger selbst zur Marke zu werden, wenn man als Affiliate Portal noch Erfolg haben möchte. Geschäftsmodelle und Strategie sollte sich am Kundenbedürfnis orientieren, nicht an der Technologie oder am Wettbewerb. Wenn du den Geschäftskontakt nur weiterleitest hast du keine Kundenbeziehung. Eine Beziehung entsteht erst, wenn der Kunde etwas zurück bekommt im gegenseitigen Austausch
zB kostenloses Geburtstagsgeschenk, und schon bekommt man Nutzerdaten unabhängig vom Händler eigenen Conversion-Funnel schaffen.

Um Amazon zu sein brauchst du Wissen und Skills

  • Know The Rules: jeder, der Entscheidungen trifft, sollte Umsatz und Gewinn auseinander halten können
  • Know The Tools: Telefonnummern mit RegEx filtern
  • sei auch bereit es umzusetzen
  • Break the Rules – sei auch bereit die Regeln zu brechen, wenn sinnvoll.

Vortrag 5: Alternative Werbemittel zu Bannern

Marcel Richter erläutertet seine Ansätze zu innovativen Werbemitteln, da klassische Banner tot seien. Aroundhome (früher Käuferportal) bietet alles rund ums Eigenheim. Dabei liegt der Fokus auf Entscheidungshilfe zu geben bei der Anschaffung einer Solaranlage, Küche, Einrichtung, Immobilien und so weiter. Das hausinterne Affiliate Team arbeitet mit über 550 Publishern, darunter Medienportale wie Bild und Fokus. Standard Werbemittel hier Banner, Text und Datenfeeds.

Ein per iFrame eingebundener Fragebogen stellt beispielsweise die Frage “Was kostet eine Solaranlage” wird eher
wird eher wahrgenommen als klassische Werbung. Mit dem Premium-Angebot von gibt es auch eine Integration mit unique SEO-Content. Weitere Features sind geplant wie individuelle Farben und Schriften.

Sammy Zimmermanns entwickelte daraufhin einen Alexa Skill in Zusammenarbeit mit Aroundhome und zeigt mit “Mein Handwerkerservice” ein praktisches Beispiel für Affiliate Marketing im Voice Web.

Alexa sucht für den Benutzer die besten Dienstleister zu Smart Home Themen aus der Nähe heraus, wie zum Beispiel:

  • Alarmanlagen
  • Badsanierung & Badplanung
  • Gartenservice & Gartenbau Projekte
  • Heizungsberatung
  • Markisen Lieferung & Montage
  • Küchenplanung, Lieferung & Aufbau
  • Notrufsysteme Beratung und Einrichtung

Mit der Spracheingabe kommt eine interaktive Kommunikation zustande, natürlicher als mit einer klassischen Smartphone-App. Aus dem Alexa Skill heraus können auch Informationen auf einem Bildschirm dargestellt werden oder einer Website weitergeleitet werden. Alexa gibt es als App für Smartphones und auch für Windows 10 und iOS. Damit ist Alexa auf jedem Gerät nutzbar, auch auf iPhone, Mac und iPad von Apple.

Stammtisch-Gespräche nach der Konferenz

Zu im Ticketpreis inbegriffen Getränken und leckerem Essen wurden persönliche Kontakte gepflegt und neu geknüpft.

Jubiläumsquiz und After-Party

Es wurden 4 Teilnehmer für das Quiz zum Thema 10. Affiliate Stammtisch Leipzig ausgelost. Die Fragen reichten von lustig bis schwierig.

Vielen Dank an die Agentur Adseed für die Konferenz und die gute Organisation.

Wir freuen uns auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr.