12.04.2019 Bed Talks @ The Student Hotel Dresden – Rückblick

“The Student Hotel” bietet Studenten bezahlbaren Raum für Wohnen, Arbeiten und Leben. Um diese Themen ging es auch bei den “Bettgesprächen”. In verschiedenen Räumen setzen sich zu unterschiedlichen Themen immer zwei ausgewählte Menschen auf das Bett und erzählten ihre Sichtweise und regten zu Diskussionen an. Bei den kleinen Räumen sicherte zeitiges erscheinen gute Plätze.

 

Warum Work-Life-Balance Bullshit ist

Für Susanne Meyer-Götz, die mit Ihrem Franchise Wurstladen “Curry und Co” erfolgreich ist, sind die Begriffe Arbeit und Leben nicht voneinander getrennt. Bei vielen Menschen allerdings schon. Dr. Sonntag, Professor für Multimedia Marketing an der HTW Dresden hört von manchen Studenten auch manchmal “ooch, nicht so viel Praxis”. Nicht jeder assoziiert mit Arbeit etwas was man gerne tut, wo man gerne hin geht. Glücklich ist man, wenn man sich mit seiner Arbeit selbst verwirklichen kann. Allerdings muss man erst heraus finden, was man machen möchte als Berufung, wenn man nicht nur einen Beruf ausüben möchte und sich nicht nur zum Feierabend sich vom Fernseher berieseln möchte.

Der Weg zum eigenen Glück ist steinig und einige Steine legt man sich auch selbst in den Weg. Selbstbestimmung gerät aber auch an Grenzen. In der Schule und dem Umfeld lernt man meist, dass man einen Beruf finden soll, der viel Geld bringt, nicht einen der einem gefällt und Spass macht. Wenn man aber mit Leidenschaft das tut, was man liebt, dann kommt das Geld von ganz allein. “Sag das mal meiner Mutter”, rief ein Teilnehmer. Gelächter.

Mit Stundenzetteln kann man zwar die Anwesenheit nachvollziehen, aber nicht die Produktivität. Der Arbeitsort ist heute weniger entscheidend. Der Hausmeister kann schlecht aus dem Homeoffice machen. Eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist in dem Falle natürlich. Wenn der Betriebsrat oder die Gewerkschaften verbieten wollen nach 18:00 Uhr noch für die Firma zu denken und E-Mails zu empfangen oder zu senden stört das allerdings die Innovation und passt nicht zur globalen Welt mit verschiedenen Zeitzonen.

Arbeit ist Lebenszeit, deshalb kommt stark darauf an, dass ich dafür Wertschätzung erfahre. Manchmal kann Arbeit ein Ausgleich zu den Kindern sein. Ob jeder alles lernen kann hängt sehr stark vom erlernten Eigenantrieb ab, weniger von der Intelligenz oder der Herkunft. Ein geringverdiener wird in der westlichen Welt selten zufrieden sein mit seinem Job, da Tätigkeiten eine Wertigkeit zugeordnet wird. Ist putzen weniger wichtig und erfüllend als programmieren? Während in Deutschland häufig Neid geschürt wird, wenn jemand etwas erreicht hat, erfährt man in den USA Anerkennung.

 

Innovationsfreundlichkeit in Deutschland

Gordian Braun, der in den Texas (USA) ein Startup für Lokale Händler namens Locana mit gründete, ist seit 2017 wieder in Deutschland und arbeitet in Berlin unter anderem bei dem mit Taxi-ähnlichem Unternehmen Clever Shuttle. Die deutsche Innovationskultur sieht er mit seiner Erfahrung mehr als kritisch.

Sören Frost, der schon als Jugendlicher seine Leidenschaft für das Unternehmertum entdeckte und heute als Gründerberater unter dem Namen “Gründernest” erfolgreich ist, kennt die Hemmnisse für Innovation in Deutschland. An Ideen und Patenten mangelt es nicht, nur an der erfolgreichen Realisierung. Förderprogramme, die für Gründer und Innovationen Geld zur Verfügung stellen sollen, werden häufig nicht ausgeschöpft. Ein Grund liegt sicher in der “unterschiedlichen Sprache” der Bürokraten und der Unternehmer. Dazu kommt die gesellschaftlich geprägte Risikoscheu. In Deutschland wird zuerst nach einem Finanzplan gefragt, nicht nach der Idee und dem Potenzial. In den USA macht man erstmal bis zum ersten größeren Problem. Fehler zu machen ist aber keine Schande, sondern man gewinnt dadurch an Erfahrung auch mit schwierigen Situationen umzugehen.

Der Vortrag und die Veranstaltung ging noch weiter, aber ich musste los zum Sport. “Work-Life-Balance” und so. Freitags ist halt das Männer-Training Pilates, da muss man Prioritäten setzen.