20.07.2018 Amazon Seller Stammtisch Meetup

Trotz des Sommerwetters hatten sich zahlreiche Amazon Seller und an E-Commerce Interessierte im Impact Hub Dresden pünktlich um 18:00 Uhr eingefunden. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begann Timo Bock mit seinem Vortrag, der auch via Facebook Livestream übertragen wurde. Mit seiner Erfahrung in verschiedenen Startups aus den Bereichen Freelancing und Recruiting betreibt er auch einen Store über Amazon und nutzt dort mit durchdachter Arbeitsteilung die Lohnunterschiede in verschiedenen Ländern. “Virtuelle Assistenten” nennt er die Freelancer, die über das Netzwerk mytalent.io zu einem extrem günstigen Preis vermittelt werden.

Freelancer aus Georgien als “Virtual Assistant”

Es gibt mehrere Anbieter von Virtuellen Assistenten, darunter auch große internationale. Der Gründer von Mytalent ist mit einer Georgierin verheiratet und beschäftigt auch einen Mitarbeiter in der Kaukasus-Republik. Damit kennt er die Sitten und kann persönlich unterstützen. Er selbst fliegt auch öfters persönlich nach Georgien, das mit einem Flugticket oft für unter 100€ in nur 4 Stunden erreichbar ist. Die Provision der Agentur ist vom Gehalt entkoppelt, anders als bei vielen Agenturen. Das Internet in Georgien ist sehr gut ausgebaut, viele junge Leute haben in Deutschland studiert und sprechen daher gut Deutsch. Englisch ist selbstverständlich. Die digitale Wirtschaft ist für ein Land wie Georgien eine Chance, da das Land wenig Handelsgüter produziert.

Digitale Arbeitsteilung – Remote vs. vor Ort arbeiten

Zwar lässt sich die Anwesenheit eines Mitarbeiters an seinem Arbeitsplatz kontrollieren, jedoch muss dieser erstmal dorthin gelangen und sich oft durch den Öffentlichen Nahverkehr oder Stau in der Stadt kämpfen. Der Weg zur Arbeit entfällt, wenn ein Mitarbeiter Remote, also dort, wo er gerade ist, arbeitet. Zudem kann der Remote-Arbeitende seine Zeit auch frei einteilen. Gerade im Online Business und bei Programmieren ist es meist relativ egal, wann die Arbeit wo erledigt wird.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Ist ein Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz im Büro, lässt sich leicht kontrollieren, ob er anwesend ist. Ob er auch produktiv arbeitet, lässt sich jedoch nur durch einen Blick über die Schulter erkennen. Projektmanagementsysteme helfen sowohl im Büro vor Ort als auch bei der Delegation von Aufgaben an Remote-Mitarbeiter. Die Aufgaben können gestellt, verteilt und abgearbeitet werden, die benötigte Zeit wird entsprechend erfasst. Mit speziellen Tools lassen sich die Tastenanschläge, Bewegungen der Computermaus und auch die Bildanzeige aufzeichnen. Schon die Möglichkeit, die Daten abzurufen reicht als Kontrolle, genauso als wenn der Chef jederzeit plötzlich den Raum betreten könnte. Screenshots alle paar Minuten helfen auch bei der Dokumentation der Arbeit und Nachweis der Arbeitszeit. Was würde ein normaler Mitarbeiter antworten, wenn man ihn fragte „was hast du heute den ganzen Tag gemacht“? Natürlich fehlt ohne körperliche Anwesenheit der soziale Austausch, der Einfluss auf die Teamarbeit hat. Minimale Freigaben für externe Mitarbeiter verstehen sich von selbst. Passwortmanager helfen bei der Vergabe von sicheren Zugangsdaten.

Welche Aufgaben eignen sich für Virtuelle Assistenten?

Ein Virtueller Assistent kann keinen Experten ersetzen. Wiederkehrende Aufgaben, die man jemandem einfach beibringen kann sind dagegen prädestiniert dafür an externe Mitarbeiter ausgelagert zu werden. Allerdings sollte man vorher schauen, welche Aufgaben sich automatisieren lassen. Virtuelle Mitarbeiter muss man erst anlernen und für die eigene Idee, für das eigene Unternehmen begeistern. Von daher gilt immer: die Menschen fair behandeln, Geduld für unterschiedliche Kulturen mitbringen und immer gut bezahlen, damit man Loyalität für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnt. Lieber auch den Virtuellen Assistenten für mehr Stunden buchen, als man für den Anfang benötigt. So hat der Mensch am anderen Ende der Leitung auch etwas Planungssicherheit und hält Ressourcen frei. Eine zu starke Fluktuation von Mitarbeitern ist immer schlecht. Egal ob vor Ort oder Remote.

Es eignen sich nur Aufgaben für Externe Assistenten , die man auch selbst beherrschen würde. Neue Themen auf diesem Wege erschliessen zu lassen fällt daher flach. Aber etwas wie Bilder frei stellen oder sogar Kommunikation auf dem Facebook Kanal kann man durchaus externalisieren. Eine Idee kam aus dem Publkum: die Amazon Rechnungen in SKR03 übertragen: das lässt sich schlecht maschinell lösen, da manchmal kleine Sonderfälle zu beachten sind.

Hardware ist hier relativ billig – woanders fast unerschwinglich

In den westlichen Industrienationen ist die IT-Hardware relativ kostengünstig zu haben. In einem aufstrebenden Land ist ein Laptop oft unbezahlbar. Ein Virtualler Assistent freut sich sicher über einen guten gebrauchter Leasing Rückläufer als Arbeitsgerät, was auch seine Produktivität erhöht. Eine deutsche Tastatur wäre hilfreich, da andere Sprachen keine Sonderzeichen wie Umlaute oder Eszett aufweisen.

Tools für die Team-Arbeit mit Virtuellen Assistenten

  • Trello oder Asana – Aufgaben und Projektmanagement (PM)
  • Slack und Skype – Kommunikation im Chat und Video
  • GSuite – erleichtert Verwaltung von E-Mail Adressen und Kalender
  • Google Drive und Google Sites – Datenfreigabe und Dokumentation
  • Signrequest.com – Verträge mit digitaler Signatur verwalten
  • Zapier – Integration von Chatprogrammen, E-Mails und PM-Tools
  • Teamviewer – PC-Fernsteuerung kann nützlich sein: direkt zeigen statt erklären
  • Camtasia – für Video-Bildschirmaufnahmen
  • Snagit – Screen Capture Software
  • Lastpass – Passwortmanager
  • Gravity Forms – WordPress Plugin für Fomulare

 

Fazit

  • was hierzulande als Hungerlohn gilt, kann in anderen Ländern viel Geld sein
  • keine Schuldzuweisungen: wenn etwas nicht klappt ist es immer deine Schuld!
  • Entspannt sein, nicht in allen Kulturen wird so bierernst gearbeitet wie bei uns

 

Vielen Dank an Christian Sobeck für die Organisation des Amazon Seller Meetups.