31.05.2018 JTL Stammtisch Dresden – Rückblick

Trotz großer Frühsommer-Hitze fanden sich zahlreiche Anwender, Programmierer und Interessierte im Restaurant Körnergarten zusammen, um sich über das Shopsystem JTL und Warenwirtschaft, sowie über allgemeine Online Marketing Themen auszutauschen. Das Thema DSGVO hatte ja alle beschäftigt.

18:30 Uhr begrüßte der Gastgeber Martin Ritter von WEBneo die Anwesenden mit einem kurzen Vorwort, bevor er an den ersten Speaker übergab.

Maik Karlin

Anfang der 2000er Jahre begann er, den Leuten den Online-Kauf bei eBay zu erklären, bevor er dann die Seiten wechselte. Bei einem großem Schmuckhändler führte er ein ERP System ein, damit nicht immer der Warenbestand im Lager händisch gezählt werden musste. Doch das half nichts gegen die Pleite aufgrund zahlreicher negativer Bewertungen von unzufriedenen Kunden, die die Ware nicht rechtzeitig erhielten.

Masterhair

Durch Zufall kam Maik Karlin selbst dazu einen Online-Shop zu eröffnen, da ihm ein Bekannter Restposten von Haarpflegeprodukten anbot. Mit dem neuen Shop von Plentymarkets wuchs die Zahl der Bestellungen bald auf 50 am Tag und er musste selbst mühsam Erfahrungen in der Logistik sammeln. Seine Firma entwickelte sich zu einem der größten Onlineshops für Beauty- und Haircare. Früh begann er mit semi-professionellen YouTube Videos weitere Potenziale im Online Business zu suchen.

Die Grenzen des Wachstums

2014 stieß er mit der Software-As-A-Service (Saas) Plattform Plenty Markets an Grenzen, da inzwischen 1000 Bestellungen pro Tag abgewickelt wurden. Auch der Support von Plenty stimmte Maik alles andere als zufrieden. Der Start mit JTL ging zwar zunächst richtig in die Hose, aber das Team arbeitete 10 Tage lang unermüdlich an der Fehlerbehebung bei ihm vor Ort in der Firma, bis schließlich doch alles lief. Zwar bot JTL kein FiFo (First-In-First-Out) Prinzip der Lagerhaltung – was ungünstig sein kann für Produkte mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) – aber dennoch wuchs sein Unternehmen. 2015 geriet er jedoch in Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden, da der Markt inzwischen übersättigt war. Seinen 35 Mitarbeitern sagen zu müssen, dass es nicht mehr weiter geht, war für ihn am schwierigsten. Dass man, so Maik “gewissermaßen als Schwerverbrecher” gilt, wenn eine GmbH insolvent wird, hielt ihn nicht davon ab ein neues E-Commerce-Unternehmen im Bereich Haarpflege mit aufzubauen. Er begann auch wieder mit Plentymarkets und konnte dadurch zwei Shopsysteme parallel vergleichen. So wurde zum Beispiel eine kleine Challenge gemacht welcher Packtisch in den unterschiedlichen Shopsystemen mehr Pakete versandfertig zu machen schafft.

“Wieviel brauche ich wirklich?”

Eine zentrale Frage im E-Commerce ist die Optimierung der Versandstrecke. Das Klebeband für den Karton wird auf den Zentimeter abgemessen, auch ein “Peeler”, der das Ablösen der Etiketten vereinfacht spart enorm Zeit. Wichtig ist für Maik Karlin auch der sogenannte Blick über den Tellerrand: “Welche Probleme könnte ich morgen haben?”, sollte sich jeder gute Kaufmann fragen. Deshalb berät er ab und an auch andere Onlinehändler wie sie ihren Ablauf beim Picken und Packen optimieren können. Maiks Erkenntnis: Man muss nicht auf jedem Marktplatz mitmischen, wichtig ist erst einmal, dass man die Standard-Kreise optimiert. Dazu gehört neben den Marketing-Kanälen vor allem die Logistik und die Buchhaltung mit steuerlichen Gesichtspunkten, die gerade bei der Internationalisierung eine extrem große Rolle spielen. Wenn man selbst andere Shops probiert und nicht nur bei Amazon bestellt, stellt man fest, dass der Bestellprozess vielerorts eine Katastrophe ist.

Alexa Helper

Den Sprachassistenten von Amazon kann man auch im E-Commerce nutzen, um seine Prozesse zu vereinfachen. So könne sich z. B. Maiks Schwiegervater per Sprachbefehl Barcode-Etiketten für FBA-Produkte seiner Wahl drucken lassen. Oder Maik kann Sonntags, auf der Toilette sitzend, abzufragen wie die der Stand der Bestellungen ist oder abzufragen welcher Packer besonders fleißig war und sich eine Aufmerksamkeit als Motivation verdient hat.

Fazit: Prozessoptimierung ist das A und O. Stillstand ist der Tod.

LKW-Teile24.de

Nach einer kurzen Pause ging es in die zweite Runde. Rene Kaltschmidt von netzdinge.de fragte in einer Art Podiumsdiskussion den Geschäftsführer von lkw-teile24.de, wie er zu JTL kam. Sven Minetzke begann früh mit gebrauchten Autoteilen zu handeln, bis sich das nicht mehr lohnte. Dann betrieb er eine Autowerkstatt, bis er auf die Nische mit LKW Teilen aufmerksam wurde. Mit einem xt:commerce und exportierte er Excel-Listen für den Versand. Schnell war klar, dass hier Automatisierungen mit Schnittstellen notwendig war, um die Lieferscheine und Adressaufkleber nicht mit der Hand zu bearbeiten. Auch die Zettelwirtschaft im Lager ist nur für den Anfang eine tragbare Lösung. Die Buchhaltung kann erleichtert werden, wenn es einen Export für DATEV gibt.

Was hat der Wechsel zu JTL gebracht?

Dropshipping abzubilden ist nun möglich, das Anlegen und Verwalten der Artikel ist mit der JTL WaWi und der Lagerverwaltung WMS wesentlich komfortabler und die JTL Ameise hilft beim Arbeiten mit größeren Änderungen an der Datenbank. Der Umsatz hat sich 1,5 Jahre nach der Umstellung vervierfacht. Viel verkauft LKW Teile 24 noch über ebay, Amazon hat ihn nicht aktzeptiert. Zwar wurden nicht alle Erwartungen an JTL erfüllt, aber Anpassungen an Nischenbedingungen sind überall notwendig. So braucht es bestimmte Bezeichnungen der Teile, die bei LKWs anders sind als sonst üblich. Ein CRM-System (Customer Relationshop Management) wie zum Beispiel Greyhound vermisst Sven Minetzke, um besser reporten zu können welcher Kunde wieviel bestellt, wie oft und welche Produkte kauft. Am Besten gefällt ihm aber, dass die verschiedenen Software-Angebote von JTL untereinander gut harmonieren. Wünschen würde er sich, dass die Coupons für bestimmte Kategorien ausschließbar wären. Aber da meldete sich eine Kollegin aus dem Auditorium, dass sie genau dafür ein Plugin hätte. Die Lieferanten-Retour besser abzubilden ist bei JTL bereits in Arbeit, merkte der Kollege von JTL an. Alternative Produkte mit verschiedenen Lieferanten zu verlinken gestaltet sich allerdings schwieriger, wie im anschließenden Diskussionsaustausch klar wurde.

Nach der Umstellung kann Rene mit 2 Lagerarbeitern circa 150 Pakete am Tag abfertigen, vorher waren es nur 40 bis 50. Dabei ist zu berücksichtigen, dass LKW Teile oftmals schwer und sperrig sind. “Eine Bremsscheibe wiegt mal gerne 50 Kilogramm, die schmeisst man nicht einfach in den Karton.”

Fazit: “Wenn keiner Scheiße baut, funktioniert’s”.

An der frischen Luft wurden noch die einen oder anderen Fragen in direkten Gesprächen diskutiert.

Der nächste JTL Stammtisch in Dresden findet am 06. September 2018 statt, wieder im Körnergarten.