26.04.2018 Cross Border Culture Conference – Rückblick

Pünktlich mit Verspätung starteten die Teilnehmer der Konferenz mit dem Reisebus von Dresden nach Řehlovice.

Über die Autobahn kommt man schnell ins Nachbarland Tschechien.

Auf einem kleinen Umweg konnte man die Gegend bestaunen.

Und schließlich wurde die richtige Abzweigung gefunden:

Ziel war das Kulturzentrum Řehlovice.

Nachdem man sich auf dem Gelände umschauen und eine Stärkung zu sich nehmen konnte, wurde die Konferenz eröffnet.

Anschließend begannen die kleinen Workshops auf dem Gelände verteilt.

Ich lauschte einem spannenden Vortrag, wie die “kulturelle Wüste” der kleinen Industriestadt Chomutov von Idealisten mit Leben gefüllt wird.

Die wirtschaftliche, politische und ökonomische Situation ist in der ländlichen Region schwierig, aber durch Kooperation mit den deutschen Nachbarn der “Alte Brauerei” in der Partnerstadt Annaberg-Buchholz wurde ein Punk-Rock-Festival organisiert. Die Finanzierung ist meist schwierig, aber oft ist gar nicht das Geld das Wichtigste. Staatliche Hilfsprogramme stellen allerdings meist nur Geld oder Sachmittel zur Verfügung. Echten Austausch muss man aber leben und „nicht nur Möbel hinstellen“. Auch die teilweise notwendige Vorfinanzierung und der Papierkram machen die Förderprogramme oft wenig attraktiv.

Für praktisches Arbeiten braucht man hauptsächlich Freunde, Talente, Toleranz, Orte und nur wenig Geld. “Ideas first, money second”. Schwierigkeiten kann es geben, wenn sich die Ansprechpartner ändern. Das kann die mühsam aufgebauten guten Beziehungen stören. http://konigsmuhle.cz/de/
http://www.otevrenochomutov.cz/
http://soziokultur-annaberg.de/

Festival “Cumbajšpíl” in Chomutov

Im zweiten Vortrag erzählten Sabine Göllner und Anette Hähnlein aus dem Fichtelgebirge in Franken, warum sich es für sie lohnt aufs Land zu ziehen: ein günstiges Haus und die Herausforderung etwas zu verändern. Wie kann man Geld verdienen, wo doch Kultur oft als “brotlose Kunst” gesehen wird?

Die staatlichen Institutionen sind wenig hilfreich, auch die Politiker freuen sich zwar über Engagement aber geben kein Geld. Es hilft nur, sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen.

Kontakte helfen beim Austausch von Wissen und dabei, Dinge auf die Beine zu stellen: „Coworking“ heisst es Neudeutsch.

“Events in the middle of nowhere”: Raumkunst und Lichtinstallationen brauchen freien Platz zur Entfaltung. Der Austausch von Menschen steht im Vordergrund. So werden Treffen organisiert und sich gegenseitig besucht mit Übernachtung und Frühstück. Auch hier ist die Finanzierung über Förderprogramme schwierig, da der Bereich Kunst ausgeschlossen ist. “Wir sehen Potenzial in Dingen, wo andere nur Müll sehen.”

https://kueko-coworking.de/

https://kueko-fichtelgebirge.de/ 

 

“Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht.” – Rosa Luxemburg

 

Leseecke

 

Treppenhaus

Nach dem Mittagessen fand noch eine weitere Runde Workshops statt.

Success Factors Of Cultural Activities in Rural Areas

Wie kann man seine Zielgruppe definieren, erreichen, ansprechen und binden?

An welchen Kennzahlen sollte man seinen Erfolg messen?

Austausch vor der Fahrt nach Děčín

Füsse hoch legen

Bahnhof Řehlovice

Einkaufszentrum mit Seilbahn vor der Kirche in Ústí nad Labem.

Den Weg zu finden war nicht ganz einfach …

Das Schloß in Děčín:

Hier gibt es noch zahlreiche interessante Industrieruinen.

Zum Volkswagen-Konzern gehört seit 1990 auch der über 100 Jahre alte tschechische Automobilhersteller Škoda.

Fahrt über die Labe, wie die Elbe in Tschechien heisst.

Gassen in Děčín

Aufgang zum Schloß

 

Führung

 

“More Keys, more Boss”

Nach der spannenden kurzen Führung im Schloß ging es weiter mit dem Bus.

Schiffswerft bei Děčín  http://www.ceskelodenice.cz/

“Popel” heisst auf tschechisch “Asche”. Wieder was gelernt.

Alle rauf auf’s Schiff, das leider wegen eines kürzlichen Maschinenschadens auf Reparatur wartet.

Die Cargo Gallery ist ein altes Frachtschiff, das zur Kunst- und Konzertlocation umgebaut wurde.

Abendessen auf dem Sonnendeck. So lässt es sich leben.

Die Gründer der Cargo Gallery erzählten, wie sie als Fotografen auf der Suche nach einem Club für ein Kulturzentrum im Jahr 2010 das Frachtschiff aus dem Jahr 1956 vor der Verschrottung bewahrten. Die Banken lehnten eine Finanzierung ab, Firmen wollten sich nicht beteiligen. Der tschechische Wirtschaftsjournalist und Internet-Unternehmer Mirek Motejlek, der erfolgreiche Rennradfahrer Jan Bárta und die Stiftung des Prager Softwarekonzerns Avast konnten schließlich als Geldgeber gewonnen werden. 2013 förderte die EU das Projekt. Seitdem haben zahlreiche Konferenzen, Feiern, Konzerte, Ausstellungen und Partys in verschiedenen Städten entlang der Elbe stattgefunden. Aufgrund des Motorschadens kann die “Nike”, wie das Schiff heisst, leider vorerst nicht zu den verschiedenen  Veranstaltungsorten fahren.

Ein spannender Tag ging zuende und die Reise wieder nach Dresden.

Im Dresdner Kulturrathaus in der Königstraße wurden am nächsten Tag die Ergebnisse der Workshops präsentiert.

“Kein Plan A, aber einen Plan B”, war das Fazit der Finanzierung von Kulturzentren im ländlichen Raum.

Ökonomische Impulse: die Plattform zum Austausch http://www.kulkal.cz/ zeigt mit einem Rechner, wieviel Geld die Leute in eine Region bringen, wenn ein Festival stattfindet.

Kulturzentren können auch Arbeitsplätze in den ländlichen Raum bringen. In einer Region wo “nix los ist”, kann man selber etwas machen. Aber die Finanzierung mit Förderprogrammen wurde als schwierig eingestuft. Crowdfunding kann nicht nur zur Finanzierung genutzt werden, sondern auch zur Bekanntmachung und Reichweitengewinnung. Die Zielgruppe Crowdfunding Kampagne muss sich nicht immer nur mit den Künstlern und den potentiellen Festivalbesuchern decken –  die Unterstützer können zum Beispiel auch Leute sein, die früher dort gelebt haben. Musiker haben selten Geld für die Unterstützung. Wichtig ist, den potentiellen Unterstützern immer auch die Menschen hinter dem Projekt vorzustellen

Aus einer temporären Nutzung kann langfristig etwas Dauerhaftes entstehen. Persönliche Beziehungen der wenigen Macher sind wichtig, dabei hilft ein Netzwerk wie das Kreative Sachsen. Auch Tipps für das Crowdfunding zur optimalen Ausgestaltung der Kampagne und richtigen Ansprache der Zielgruppe kann der Branchenverband liefern. Auch Portale wie  http://www.czechmobility.info/cs  und https://www.touring-artists.info/home/ sind nützlich. Eine Genossenschaft für Selbständige findet man auf http://smart-de.org/

Festival in Bulgarien http://www.meadowsinthemountains.com/

Auf der Website des Branchenverbands “Kreatives Sachsen” sind alle Ergebnisse der Worshops.

Projekt Travelling Trash – nach der Idee nun auf der Suche nach Partnern und Programmen

New Clothes for Europe – neues Bewusstsein für Produktion von Kleidung und neue “Science Clothes”

Dresden bewirbt sich als Kulturhauptstadt 2025. Partnerstädte von Dresden sind Coventry (UK) und St. Petersburg (RUS)

Befragung der Teilnehmer und Diskussion

Wünsche:

  • mehr konkreter Erfahrungsaustausch wurde gewünscht und Kennenlernen der verschiedenen Projekte, denn „man kann ja nicht zu allen Festivals gehen“.
  • Learnings der Euro-Labe Region
  • Bilder der Personen zu Kontaktdaten mit mehr Infos
  • mehr Zeit für die Workshops, um in die Tiefe zu gehen.
  • in der Vorbereitung mehr Infos wären gut
  • Interaktive Karte, um Netzwerk-Partner finden zu können

Ich bedanke mich für die “Grenzraumerfahrung” und Einblick in die tschechische ländliche Region auf der Cross Border Culture Konferenz bei der Euroregion Elbe/Labe und für die Organisation beim Branchenverband der Kreativwirtschaft “Kreatives Sachsen“.